​Tagblatt der Stadt Zürich, Juli 2011


Bötschi klatscht


Exklusiv im «Tagblatt»: Auszüge aus dem fiktiven Tagebuch von Fernseh- und Radiomoderator Sven Epiney:


19. Aug. 2010: Heute erzählte meine Fernsehkollegin Andrea Jansen in der «SI-Style», ich mache meinen Job wahnsinnig gut. Dem Schätzli back ich jetzt gleich einen «Sven Schoggikuchen» und bring ihn morgen ins Büro.

25. Aug.: Ich habe Entzugserscheinungen; brauche endlich einen neue TV-Show. Chris, mein Schatz, ist auch nicht da. Warum tröstet mich keiner?
21. Sept.: Heute ist wohl der schlimmste Tag in meinem Leben. Der Fernsehdirektor selber war am Telefon. Ofen aus! «Al dente» wird eingestellt. Ich glaub, ich ruf jetzt den Roman Kilchsperger an. Soll er doch den Scheiss machen.
27. Sept.: Endlich der ersehnte Anruf. Liess sie erst ein bisschen zappeln und sagte dann Ja. Zum «Kampf der Chöre». Ich, die Allzweckwaffe des Schweizer Fernsehens. Zum Glück habe ich Roman nichts ins Handy geheult. Ich verbinde mit so vielen Liedern Erinnerungen – an Freundschaften, vergangene Beziehungen oder die Kindheit. Da kommt es mir oft so vor, als könnte ich sogar riechen, wie es damals war. Und im Auto singe ich mir die Kehle aus dem Hals.
1. Okt.: Ein Schwulenheftli zählt mich zu den zehn grössten Gay-Nervensägen. Die können mich. Kreuzweise. Und hinten.

12. Nov.: Jetzt hat Roman den Dreck. Die «Glückspost» wählte ihn zur grössten TV-Nervensäge. Besserwisser! Macho! Drängt sich halt dauernd in der Vordergrund.
23. Nov.: «Sven Epiney ist perfekt», titelt der «Bund». Im Fernsehstudio sind alle neidisch. Ich hätte gerne mit Chris, mim Chäfer, angestossen, aber er kommt später nach Hause. Schon wieder?
3. Jan. 2011: Schamlos, dieses «20 Minuten». Veröffentlicht meinen grossen Lohn. 6× 100 000! Franken. Dass ich Grosses leiste, schreiben sie nicht.
13. Jan.: Heute ist wahrscheinlich der schlimmste Tag meines Lebens. Monika Fasnacht ist raus beim «Donnschtig-Jass». Aber mich fragt keiner, dafür den Roman. Nur, weil der mit seinen Kumpels Jassferien macht und prahlt, sich im 12-Stunden-Kampfjassen zu messen. Soll nur keiner behaupten, die machten das ohne bewusstseinserweiternde Substanzen. Roman, ich ha... dich!
29. Jan.: Wie mir diese Vergleiche auf den Sack gehen. Die vom «Tele» behaupten, mich würde man ja nicht gerade mit frechen Sprüchen verbinden. Dafür sei eher Roman bekannt.
12. Feb.: «‹Svenissimo› statt ‹Benissimo›», titelt «TV Star». Alles wird gut.
2. April: Mister-Schweiz-Wahl. Die Schönsten der Schönen. Kam schön ins Schwitzen. Die Show war hart. Ich auch.
8. April: Fertig. Schluss. Tränen. Chris, Schatz, weg bist du. Wir hatten so schöne zehn Jahre. Von Anfang an war etwas da, nur keine Show. Aber es muss weitergehen. Und ich auch.
3. Mai: Was für einen Mist schreibt diese Barbara Kallenberg in ihren «Notizen zu Namen»? Kaum von der Leine täte ich mein Singleleben auskosten; in Begleitung eines 20-jährigen Jünglings. Die hat ja nicht alle...
15. Juni: Der Klatschonkel im «Tagblatt der Stadt Zürich» fragt, ob die Kallenberg neidisch sei, weil ich einen jungen Schönen an der Rute, äh, Angel habe? Ja, gibs ihr!
7. Juli: Heute ist der schlimmste Tag in meinem Leben. Roman Kilchsperger moderiert zum ersten Mal den «Donnschtig-Jass». Dann doch ein Anruf. Der Fernsehdirektor. Ich würde doch nächstes Jahr nach Baku, Aserbeidschan, zum Eurovision Song Contest reisen und ob ich nicht mit Reto Peritz nochmals als Boygroup Pure Pleasure auftreten wolle ... Muss ich mir aber noch überlegen, ob ich die nächste Nullnummer der Schweiz sein will.