​Tagblatt der Stadt Zürich, Juli 2011


Bötschi klatscht


Exklusiv im «Tagblatt»: Auszüge aus dem fiktiven Tagebuch von Fernseh- und Radiomoderator Roman Kilchsperger:


4. Mai 2010: Mein erster Eintrag. Viola sagt, Sven Epiney führe Tagebuch. Ich müsse darum auch eines haben. Sie sagt, irgendwann werde die TV-Show «Die grössten Schweizer Tagebücher» lanciert. Meine Frau, ein Befehl.

2. Juli: Seit der Absetzung von «Deal or no Deal» fühle ich mich leer. Ich vermisse Ivo aus Buttikon, meinen grössten Fan. Bei 250 der 270 Sendungen war er live dabei. Entsprechend nahm uns die Trennung mit. Ohne Hilfe hätten wir es – wie Schlosshunde heulend – nicht mehr hinter die Publikumstribüne geschafft.
11. Juli: Trostlos, wie Walter Roderers 90. Geburtstag abgetrommelt wurde. Wenn ich ein alter Sack bin, ist gefälligst in einer riesigen Samstagabendkiste alles aufzufahren, was hierzulande einen Bekanntheitsgrad von mindestens 98 Prozent hat!
1. Sept.: Heute ist wohl der schönste Tag meines Lebens. Sven Epiney heult daheim. Ätsch, ich darf die neue Quizshow «Traders» moderieren. Viola sagt, ich sollte ihm wenigstens eine SMS schreiben. Also gut, wenn die Fussballübertragung fert...

2. Sept.: Mist, SMS verschwitzt! Und das Tagebuchschreiben stinkt mir auch.
21. Sept.: Ofen aus bei «Al dente»! Jetzt muss ich wirklich beim Epiney einen auf Mitleid machen. Aber er ist selber schuld: Hätte ja nicht dauernd dem Studi schöne Augen machen müssen!
5. Okt.: Diese Unterhaltungschefin hat absolut keine Ahnung. Verschob die doch allen Ernstes den Start von «Traders». Das Quiz sei zu langatmig. Was kann ich dafür, wenn die Röcke bei «Deal or No Deal» kürzer waren?
7. Okt.: Endlich in der «Glückspost» Klartext über «Deal or No Deal» geredet: Natürlich ging ich nie davon aus, bis 65 Koffer öffnen zu lassen.
11. Nov.: Ein geiles Interview in der «Glückpost» und nun der Dank dafür: Wählen die mich zur grössten TV-Nervensäge. Und wo steckt Sven? Hinten, weit hinten in der Rangliste.
13. Jan.: Endlich der ersehnte Anruf. Der Fernsehdirektor war sogar selber am Telefon. Ich übernehme die Sommersendung «Donnschtig-Jass». Monika Fasnacht ging nicht freiwillig. Aber was geht mich das an? Viola sagt: «Roman, du musst deinen Weg gehen.»
14. Jan.: Neue Visitenkarten drucken lassen und Titelschutz angemeldet für «Der Oberjasser».
15. Jan.: Stefan Büsser rief an. Ich hob nicht ab. Dieser Möchtegern-Kabarettist wollte sicher nur einen Auftritt im «Donnschtig-Jass» schnorren.
20. Jan.: Die Fasnacht drückt in der «Glückpost» auf die Tränendrüse: «Ich glaube nicht, dass mein Abgang mit dem Alter zu tun hat. So jung ist Roman auch nicht mehr.» Bla, bla, bla.
17. Mai: Für einige Menschen mag Jassen die Leidenschaft der Sozialfälle sein. Ich verstehe, dass wir Spieler nicht so sexy wirken. Viola sagt das auch. Sie würde es toller finden, wenn ich Fallschirm springen würde. Jasser hätten dafür keine Groupies, habe ich ihr geantwortet.
30. Juni: Der «Donnschtig-Jass» mache mich glücklich, behauptet die «Glückspost». Blödsinn! Glücklich macht mich: meine Familie oder eine Büchse Vanillecreme. Und Sven. Wenn er nicht moderiert.
8. Juli: Roger Schawinski rief an. Der «Donnschtig-Jass» sei seine Idee gewesen. Und ob ich in seine neue TV-Sendung «Rogers Welt» kommen wolle. Es ginge um «Gefallener Kult-Moderator trifft prominenten Ich-Entdecker». Ich wollte sofort zusagen. Aber Viola sagt: «Roman, du musst deinen Weg gehen. Der Roger tut dir nicht gut.»

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