​Tagblatt der Stadt Zürich, August 2011


Bötschi klatscht
 

Exklusiv im «Tagblatt»: Auszüge aus dem fiktiven Tagebuch der Zürcher Jetsetterin Vera Dillier:


31. Okt. 2010: Die Verantwortlichen von «Glanz & Gloria» nerven. Seit drei Monaten haben sie mich nicht mehr in der Sendung erwähnt. Was glauben die eigentlich, wer sie sind? Ich bin Helvetiens einzige Jetsetterin. Macho, mein Chihuahua, leidet auch. Tierquäler sind das.
8. Jan. 2011: Das TV-Heftli «Tele» betitelt mich als Jetset-Greisin, die mit Garnichtsleisten Promi geworden ist. Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank.
21. Jan.: Und ob ich was leiste: Der «Blick» testete meine Fähigkeiten für «Das Dschungelcamp». Ich biss in eine Made. Oh Gott, ich bin so mutig!
18. Feb.: Heute ist wahrscheinlich der schrecklichste Tag in meinem Leben. Macho, seit 17 Jahren mein treuster Begleiter, kippte um. Ich raste sofort mit ihm zum Tierarzt. Der diagnostizierte einen Schlaganfall. «Glanz & Gloria» ist schuld daran. Der Arzt sagt, Macho leide an Medienentzug.
22. Feb.: Macho geht es besser. Er läuft nicht mehr so schief, manchmal hüpft er sogar schon wieder herum. Dreimal täglich muss ich ihm Pilleli verabreichen.
23. März: Macho schwächelt. Wenn er dereinst in den Hundehimmel kommt, werde ich ihn neben meiner Mutter ins Grab legen.
7. April: Dieser Peach Weber hat mich schon immer genervt mit seinem Aargauer Sauglattismus. Sagt er den «Obersee Nachrichten», ich hätte nie etwas in meinem Leben vollbracht.
14. Juni: Heute ist der schrecklichste Tag in meinem Leben. Ich verlor meinen besten Freund. Es ging alles sehr schnell. Noch am Morgen ist Macho herumgerannt. Aber als er am Abend nicht einmal seinen geliebten Cervelat ass, wusste ich gleich: ein schlechtes Zeichen. Im Tierspital kam jede Hilfe zu spät.
15. Juni: Trotz aller Trauer bin ich dankbar, dass Macho ein reich erfülltes Leben hatte. Er fuhr mit mir Ski in St. Moritz und ging baden am Strand von St-Tropez. Macho war einmalig – und erst 17. Am Abend noch dem «Blick»-Chefredaktor ins Telefon geheult. Er könne eine Frau nicht einfach hilflos zurücklassen.
16. Juni: Den «Blick» gelesen und zum ersten Mal wieder gelächelt: Die Redaktion hat einen wunderbaren Nachruf publiziert. Nur das herzlose «Glanz & Gloria» verschwieg bisher Machos Tod.
17. Juni: Trotz Tränen fand ich die Kraft, DJ Bobo zu fragen, ob er an Machos Beerdigung seinen Hit «Chihuahua!» singt. Lieber Gott, bitte stimme Bobo tierlieb. Es können doch nicht alle Aargauer doof sein.
18. Juni: Tränen und keine Antwort von DJ Bobo.
19. Juni: Tränen und immer noch keine Antwort von DJ Bobo. Trotzdem fuhr ich ins Tierkrematorium Seon – in Schwarz gekleidet, aber ohne den Aargauer Disco-Trälleronkel. Macho einfach so bei der Tierkadaversammelstelle abzugeben, hätte ich nicht übers Herz gebracht. Er hat mich überallhin begleitet. Also war es eine Frage der Ehre, dass auch ich ihn auf seinem letzten Weg begleite.
20. Juni: Tränen. Es ist so schwer loszulassen. Den Gipsabdruck von Machos rechter Pfote stelle ich über dem Cheminée auf. Und vielleicht lege ich die Graniturne doch nicht neben Mutters Grab. Macho liebte Wasser. Vielleicht werfe ich die Urne in den Sommerferien in St-Tropez ins Mittelmeer.
27. Juni: Dieser blöde Pseudokomiker Peach Weber! Mir schossen die Tränen wie Bäche heraus, als ich heute die «Aargauer Zeitung» las. Ich hätte mir ja denken können, dass er blöde Sprüche zum Tod von Macho macht. Er ist so herzlos, macht einfach weiter, wie wenn nichts geschehen wäre.